Germany Tours

Germany Tours with a horse and a covered wagon and a boat.(near Berlin)


...mit Pferd- und Planwagen durch die Uckermark Mo 19. - Do 22.9.2011 und Flossfahrt vom Fr 23. - Mo 26.9.2011

Wir fuhren am Mo 19.9.2011 um 8.06 von zuhause los bis S-Südkreuz und stiegen dann um 8.26 Uhr in den Regionalzug um. Natürlich hatte die Bahn wieder mal Verspätung. Um 9.48 Uhr erreichten wir Wilmersdorf, das nächste Kaff nach Angermünde (je 9,20 €).

Dort wurden wir von Nadin, einer Mitarbeiterin von CELINE Native Caravan, abgeholt (Transferkosten 20,-€). Mit im Auto waren noch zwei ältere sächsische Damen, die eine Eselswanderung (mein lieber Jolly!) machen wollten.

Nadin setzte die Ladies am benachbarten Hof, Abteilung Esel, ab und brachte uns dann zum Pferdehof nach Friedenfelde bei Gerswalde. Außer uns war kein Mensch da, und von nun an war die sympathische Nadin unsere persönliche Assistentin.

Sie zeigte uns erstmal den Planwagen, der ziemlich robust in bräunlichen Tönen gehalten und nicht so pastellfarben hübsch wie im Internet war. Wir packten unsere 2 Rucksäcke und 2 schwere Einkaufstaschen beladen mit sämtlichen Lebensmitteln, die wir für die nächsten 4 Tage brauchten.

Da ich ein Listen Freak bin, hatte ich genau aufgeschrieben, was wir an welchem Tag essen würden und genau das eingepackt. Es hat hervorragend hingehauen, wir mussten nichts wegschmeissen und nichts ist verschimmelt.
Von nun an hiess es Nescafé Pulver mit Kaffeeweißer (naja).

Ausstattung des Planwagens:
Es gab
- einen Wasserkanister mit 40 Litern zum Kochen und Waschen,
- ein Spülbecken mit fließend kaltem Wasser (Batterie betrieben),
- 2 Gasflammen, die leider zu eng zusammen standen (d.h. wenn man eine Pfanne und einen Topf gleichzeitig drauf stehen hatte, musste man aufpassen, dass die Pfanne nicht runterfiel)
- jede Menge Schränke mit Magnetverschluß (Nachteil hier: beim Fahren gingen sie oft auf und es bestand die Gefahr, dass die Sachen rausfielen)
- vorne 2 mit Polster bezogene Sitzbanke mit einem Tisch in der Mitte, den man abends runterklappte, so dass man ein grosses Bett daraus machen konnte.
- blaue hübsche Bettwäsche, die wirklich kuschelig warm war (komischerweise haben andere Leute nachts gefroren)
- hinten noch 2 zzgl Schlafpritschen, die man zu einem Sofa umfunktionieren konnte.
- es gab kein Klo und keine Dusche: d.h. man musste irgendwo draußen in der Natur diese Dinge erledigen.

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Wir entschieden uns für die Seentour, obwohl es natürlich zu kalt zum Schwimmen war. Im Sommer wäre das natürlich besser gewesen, dann hätte man direkt im See baden können und wäre dann sauber gewesen.

Nadin stellte uns die Tour zusammen und zeichnete auf einer Landkarte genau ein, wo wir jeden Tag entlang fahren sollten. Manche Leute finden die Wege aber nicht, uns ging es teilweise auch so. Da die Planwagen nicht mehr in so einem brillianten Zustand sind, erliess sie uns die Kaution von 250,- Euro.

Dann ging es ans Eingemachte: das Pferd. Ich war als 12-Jährige mal vom Pferd gefallen und habe seitdem einen gehörigen Respekt vor diesen großen ca 900 kg schweren Tieren.

Nadin holte Matilde aus der Koppel und band sie an einer Holzstange an. Sie erklärte uns, was wir jeden Morgen zu tun hatten, nämlich zuerst einen Viertel Eimer mit Hafer füllen und ihr zu fressen geben. Gleichzeitig beginnen, das Pferd ordentlich zu striegeln und zu bürsten, um Scheuerstellen vorzubeugen.

Dabei solle man auf seine eigenen Füße achten, da es wohl schon vorgekommen sei, dass das Pferd einem versehentlich darauf getreten hatte, während es eigentlich nur Mücken abschütteln wollte. Also begann ich zu striegeln und zu bürsten, was das Zeug hält. Hat Spaß gemacht, denn ich putze sowieso gerne (ja, ich weiß, ich bin ein Fossil, muss wohl mein Jungfrau Einfluss sein).

Dann kam das Schwerste, was für uns bis zum letzten Tag ein Horror war: das Anbringen des ganzen Zaumzeugs. Es gab unheimlich viele Riemen und Schnallen, die in einer bestimmten Art und Weise angebracht werden mussten und zwar zeitnah, damit der Gaul mitspielte.

Nadin erklärte alle Schritte und befestigte das Zaumzeug Sie sagte, es sei unbedingt wichtig, die Reihenfolge einzuhalten und zügig vorzugehen, da ansonsten das Pferd evt. nicht mehr kooperieren würde. Dann führte sie Matilde vor den Wagen und sagte: "Zurück, zurück" und sie gehorchte.

Brav stapfte sie zwischen die Wagendeichseln, so dass wir die Bremsriemen und all die anderen Tausend Schnallen an die Deichseln binden konnten. Dann setzten wir uns auf den Kutschbock, nahmen die Zügel in die Hand und riefen: "Vorwärts!" Matilde setzte sich in Bewegung.

Und so verließen wir den Hof und trotteten gemütlich die Landstraße entlang. Wir trugen unsere Cowboy Hüte, Holzfällerhemden und ich eine schwarze Stoffweste, die ein Erbstück meines Großvaters Jakob ist. Er trug sie bei seiner Hochzeit am 17. Februar 1912. Wir kamen uns ganz schön cool vor in unserem Western Outfit.

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Als wir nach kurzer Zeit in Gerswalde ankamen; hielten wir am Strassenrand an, d.h.:"Haaaalt, Matilde!" und die Zügel anziehen. Was ich nicht kapierte, war, warum sie trotzdem weiter laufen wollte, sobald ich die Zügel etwas lockerer hielt, obwohl ich "Halt" gebrüllt hatte.

Doug stieg aus und stellte sich neben ihren Kopf und hielt sie am Halfter fest, während ich kurz zum Bäcker sprintete und Kuchen kaufte. Der war zwar teuer, aber echt lecker. Weiter ging es durch einen matschigen Waldweg; wobei wir den Moränenweg nicht erkannten und statt dessen einem Reitweg folgten, der uns dann über Buchholz auch zum Pinnower See, unserem 1. Übernachtungsplatz, brachte.

Kein Mensch weit und breit. Im Sommer baden hier Leute und picknicken. Wir schafften es irgendwie ohne weitere Probleme, das Zaumzeug abzumachen und unter den Wagen zu legen. Kurz davor hatten wir schnell eine Koppel aus 6-7 weissen Stäben und Schnur dran gebaut. Wir führten Matilde da rein, und sie begann sofort, das gesamte Gras abzufressen. Sie schien zufrieden zu sein.

Wir gaben ihr Futter und füllten den Eimer mit Wasser aus dem See. Nun konnten wir entspannen und kochten unsere Bratkartoffeln mit Rotkohl im Planwagen. Die Nacht war ruhig und wir schliefen sehr gut.

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Dienstag, 20.9.2011 Als wir morgens aus dem Wagen stiegen, wieherte uns Matilde freundlich entgegen.

Es war unglaublich: auf der ganzen eingezäunten Wiese hatte sie sämtliches Gras weggefressen. Ein echter Rasenmäher, das Vieh! Dann begann das morgendliche Stressprogramm. Nachdem wir gefrühstückt und dann alles im Wagen sturzsicher verstaut hatten, holten wir Matilde aus der Koppel und banden sie mit dem roten Seil an einem Holzpfahl an. Sie frass vor sich hin, und ich striegelte und bürstete.

Nun legten wir eine graue Decke auf ihren Rücken und ein schweres ledernes Ungetüm. Das Schwanzteil kriegten wir auch noch hin. Aber bei den restlichen monströsen Teilen überfiel uns ein Gefühl völliger Inkompetenz und dadurch Verzweiflung.

Matilde beugte den Kopf nach unten, um weiteres Gras zu vertilgen, wodurch einer der schon vermeintlich angebrachten Lederteile vorne wieder runterfiel. So ein Mist! Wir bekamen es einfach nicht hin!

Matilde muss uns für völlige Deppen gehalten haben, denn nun spielte sie die indignierte Diva und bewegte sich in alle Richtungen, was unseren Job natürlich nicht leichter machte.

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die "wilde" Matilde und das Zaumzeug

Ziemlich entnervt rief ich Nadin auf dem Handy an. Sie war echt unser Engel in der Not und kam nach 20 Minuten vorbei. Sie meinte, fast niemand würde das am ersten Tag alles richtig machen und beruhigte uns.

Von da an kam sie jeden Morgen und übernahm das Anschirren. Das Gestüt ist sowieso nur ein paar Kilometer entfernt von all diesen Übernachtungsstellen. Sie sagte, es sei ihr Job, für uns Kunden da zu sein bei jeglichen Problemen und Fragen.

Derzeit waren wir sowieso wohl die einzigen Planwagenfahrer, da ein Pärchen mit 2 Kindern wegen dem schlechten Wetter (bevor wir ankamen) um einen Tag verkürzte.

Über Buchholz trabten wir nun wie immer im Schritttempo über Waldweg und Landstraße bis Gerswalde und hielten direkt an der Wasserburg. Eine Frau rannte uns entgegen und fragte, ob wir hier übernachten wollten. Es gäbe auch ein WC und Waschbecken, man könne die Akkus aufladen, Kosten 10,-Euro.

Der Punkt war: wir hätten Matilde auf jeden Fall abschirren und in eine Koppel bringen müssen, um uns das Heimatmuseum und das Fischereimuseum der Burg anzusehen. Das hätte natürlich bedeutet, dass wir das ganze Zaumzeug später wieder hätten anbringen müssen, um weiter zu fahren. Deshalb entschieden wir uns, hier zu übernachten.

In dem Kaff gab es immerhin auch einen Landmarkt = Supermarkt. Wir sahen uns im Heimatmuseum um. Dort gab es uralte Haushaltsgegenstände und jede Menge DDR Fotos und Schilder. Das Burggemäuer ist hübsch und draußen im Park steht ein Lehmbackofen.

Mittwoch 21.9.2011
Am nächsten Morgen besuchten wir noch das Fischereimuseum im Keller der Burg, wo die Gerätschaften des ehemaligen Dorffischers ausgestellt waren. Nun hiess es Matilde zu holen. Peinlicherweise tauchten zwei Bauarbeiter auf, die dabei zusahen, wie Matilde eher mich zog als ich sie. Vorbei mit der Coolness. Jetzt hiess es Würde zu bewahren, und ich band Matilde an den Holzzaun an und striegelte hingebungsvoll.

Gottseidank kam dann auch schon Nadin und erledigte mit uns zusammen den Rest. Unsere Route führte uns an einem hübschen Schloß namens Herrenstein vorbei, dann auf einer ländlichen schönen Allee nach Krohnhorst, am Wegesrand einige Häuschen mit romantischen Gärten und sogar ein paar Trabis auf einem Hinterhof.

Dann waren wir in Briesen, wo nur ein paar Häuser stehen. Da kommt anscheinend nie jemand vorbei. Ein Pärchen kam aus seinem Garten angelaufen und schenkte uns Äpfel fürs Pferd und wies uns den richtigen Weg zur Uckermark Schorfheide Tour zum Stiernsee, unserem 3. Übernachtungspunkt.

Als wir aus dem Wald kamen, lag direkt links schon die Einfahrt zum See und einer riesigen Pferdekoppel. Just in dem Moment kam zufällig Nadin in ihrem Auto rausgefahren. Sie wies uns ein und fuhr davon. Wir schirrten Matilde ab und brachten sie auf die Koppel zu den anderen 9 Pferden, die Nadin dort hingebracht hatte.

Später kam Nadin wieder und legte Strom auf die obere Schnur der Koppel. Sie meinte, wir bräuchten uns um nichts zu kümmern, die Pferde seien versorgt. Sie brachte uns sogar noch ein Kantinenessen vorbei, das sie übrig hatte.

Es war ein sonniger Nachmittag, und wir tauchten sogar mal kurz unsere Körper in den See ein. Es war wirklich kalt, aber wenigstens waren wir dadurch sauber. Wir machten einen Spaziergang durch den Wald und gingen früh ins Bett.

Donnerstag, 22.9.2011
Gegen 8.00 Uhr standen wir auf und wollten frühstücken. Doug ging mal raus und meinte dann, die Pferde seien weg. Morgenmuffelig nahm ich ihn nicht ernst und sagte: "Ach Quatsch, die Koppel ist groß, und die haben sich sicherlich irgendwo hinter einem Hügel versteckt."

Doug verließ den Planwagen und lief bis zur Straße vor. Langsam dämmerte es mir, dass irgend etwas nicht stimmte, als ich auch rausging und tatsächlich kein einziges Fury sehen konnte! Doug kam zurück und meinte, an der Straße seien 3 Pfähle nach innen nieder gerissen worden. Dougs Phantasie machte Überstunden. Er sagte: "Die sind bestimmt geklaut worden!"

Ich:
"Wir sind hier nicht im Wilden Westen, ich glaube eher, die beiden Fohlen haben verrückt gespielt und die Pfähle nieder gerannt, und die ganze Herde ist ihnen dann gefolgt."

So war es dann auch. Ich verschickte eine SMS an Nadin. Die blieb völlig cool und schrieb zurück: "da muss ich mich dann drum kümmern, ich muss aber erst noch ein paar Gäste fertig machen. Bis gleich."

Eine halbe Stunde später rief sie an und fragte, in welche Richtung unserer Meinung nach die Pferde gelaufen sein könnten. Wir sagten, vermutlich in den Wald, denn die Hufspuren waren dort besonders tief. Da war sie allerdings schon mit dem Auto gewesen und hatte sie nicht gesehen.

Einige Zeit später rief sie wieder an und sagte, sie habe sie auf einem Acker gefunden und würde sie jetzt zurück treiben und wir sollten an der Einfahrt vor dem Wald den Weg blockieren, damit die Pferde in die Einfahrt laufen könnten. Aber so weit kam es nicht. Von weitem sahen wir dann die Pferde über ein Feld traben.

Nadin hatte Matilde an ihren Wagen angebunden und alle anderen Pferde folgten ihr. Gegen 12.00 Uhr war alles wieder im Lot. Doug holte Matilde aus der Koppel und ich striegelte und bürstete. Nadin schirrte alles an und los ging es zu unserer letzten verkürzten Etappe durch den Wald, dann über den Querweg zurück nach Friedenfelde zum Gestüt.

Beim Abschirren gab Matilde diesmal keinen Mucks von sich. So brav und ruhig hatten wir sie nie erlebt. Sie war eben zuhause. Wir brachten sie zu ihrem geliebten Freund, der schon freudig auf sie wartete. Es war wirklich rührend zu sehen, wie die beiden sich liebevoll wiehernd begrüßten.

Irgendwie hatten wir auch genug von der Pferd- und Planwagen Tour. Nadin kam zum Gestüt. Ein feiner Regen setzte erstmalig ein. Wir hatten die ganzen 4 Tage ein Super Glück mit dem Wetter gehabt in diesem schrecklichen Sommer. Nadin fuhr uns nach Gerswalde, von wo wir um 16.07 Uhr den Bus 504 nach Templin (je 6,40 €) nahmen.

An der Bushaltestelle standen zwei ziemlich fies aussehende Jugendliche rum. Der eine trug Springerstiefel und hatte auf seinem schwarzen T-Shirt stehen "Abschaum erwache!" Beide soffen Bier. Dann kam ein Farbiger und stellte sich zu uns. Mir wurde mulmig zumute, aber nichts passierte.

Wir stiegen in den Bus ein. In Templin mußten wir eine halbe Stunde auf den Bus 517 nach Fürstenberg/Havel warten. Auch hier hingen am Busbahnhof mehrere abgewrackte Teenager mit Bierflaschen rum.

Die Leute hier wirkten irgendwie nicht gerade wie "Rocket scientists"(=Raketenwissenschaftler), wie Doug immer sagt. Um 17.10 fuhren wir weiter durch eine hübsche Landschaft mit vielen ländlichen Dörfern.

Um 17.55 Uhr kamen wir in Fürstenberg an und liefen ca 5 Minuten zum vorher über Internet gebuchten Hotel "Haus an der Havel", Schliemannstr. 6 (DZ 58,-€ f.1 Nacht mit Bufett Frühstück). Ist ein hübsches Hotel, gutes Zimmer, sogar mit Fernseher.

Wir zogen uns den Papstbesuch rein und konnten endlich duschen und die Haare mal waschen und alle Akkus aufladen. Fürstenberg ist recht hübsch. Wir speisten im "Pipeline" Biergarten und liefen durch die Gassen.

Freitag, 23.9.2011
Nach dem leckeren Frühstück checkten wir um 10.00 Uhr aus, konnten aber unser Gepäck im Hotel lassen. Dann gingen wir zur Touristen Information und zum Netto einkaufen. Ich bestellte ein Taxi für 12.30 Uhr beim Hotel. Es brachte uns zum Yachthafen Priepert (18 km entfernt, 19 €).

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Hier sollte nun unsere 3-tägige Flossfahrt bei Tante Polly Floßconnection Northtours beginnen. Anja Duklau und Andreas Krämer, beide sehr nette Ossis aus dem Prenzlberg, sind auch Piloten und haben diese Flossfirma seit einigen Jahren. Früher hatten sie mal eine Kneipe im Prenzlberg in Berlin, verkauften diese und wollten eigentlich in Schweden etwas aufbauen. Sie kauften ein Stück Land und saßen schon in den Startlöchern, doch die Bürokratie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Es wurde ihnen nicht erlaubt, in Deutschland verdienten Umsatz im Ausland in ein Geschäft zu investieren!

So kamen sie hierher. Jetzt haben sie 8 Flöße und schlagen sich einigermaßen durch. In 5 Jahren sind die Flöße abbezahlt, bis dahin allerdings höchstwahrscheinlich kaputt. Außer uns waren noch 3 andere Floßfahrer Gruppen zur Einweisung da.

Andreas zeigte uns noch kurz, wie man anlegt, an einer Engstelle umdreht und was man tut bei "Mann über Bord". Für diese Flöße braucht man keinen Führerschein, was ich eigentlich nicht richtig finde. Wir empfanden es als extrem stressig, irgendwo anzulegen. Das Floß reagiert nicht wie ein Auto. Es gibt keine Bremse. Statt dessen geht man in den Rückwärtsgang, dann in den Leerlauf, und das Boot schwimmt dann immer noch etwas nach vorne. Man kann also leicht irgendwo anknallen.

Besonders schrecklich war die Einfahrt in Schleusen. Ein Albtraum für Anfänger! Gegen 16.00 Uhr tuckerten wir los in Richtung Ellenbogensee und Ziernsee und verbrachten die Nacht ganz allein mitten auf dem Menow See in Schilfnähe. Der Sternenhimmel war total klar, und die Sterne spiegelten sich im Wasser. Sowas habe ich noch nie gesehen.

Wir kochten Reisnudeln mit einer Dose Ratatouille und tranken Rotwein beim Schein einer Regenbogenkerze. Von dort telefonierte ich mit meinem Vater. Der liebt es auch, auf dem Wasser zu sein.

Ausstattung des Floßes:
Es ist ca 7 m lang und rechteckig geschnitten. Alles ist aus Holz. Im Innenraum sind rechts und links ganz viele Truhen, in die man Sachen verstauen kann. In die Mitte kann man abends Bretter legen, so dass eine große Liegefläche entsteht. Es gibt ein Moskitonetz und eine Hängematte, die aber viel zu klein war und deshalb nicht rückenfreundlich.

Es gab nur Isomatten als Unterlage, was nachts sehr hart war. Warme Daunenschlafsäcke hatten wir dabei. Durch die vorherige Planwagentour hatten wir schon genug zu schleppen gehabt und daher keinen Platz mehr für unsere schmalen Luftmatratzen. Wenn man mit dem Auto anreist, kann man natürlich alles mitbringen. Die anderen hatten sogar einen Kasten Bier dabei.

Vorne rechts ist das Steuerrad in einer kleinen Kabine. Direkt links gegenüber ist die Kombüse/Kochecke. Es gibt einen Gaskocher mit leider nur einer Flamme, 1 Topf, 1 kleine gußeiserne Pfanne, Besteck und Blechteller u. -tassen sowie Blechkanne. Nicht viel für 4-6 mögliche Personen an Bord.

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An Bord vorne links außen sind 2 Anker in einer Truhe und unterm Kapitänssitz ein Feuerlöscher. Vorne rechts außen ist eine Truhe mit einem Wasserkanister mit 15 Litern.

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Hinten außen gibt es links das Trockenklo mit braunem Vorhand drum rum. Man klappt einen Holzdeckel hoch und macht sein Geschäft in einen Müllsack, der in dem Sitz hängt. Wenn er voll ist, kommt ein Deckel drauf und man muss das ganze an Land entsorgen.

Hinten außen rechts ist eine Truhe mit Benzin. In der Mitte außen hängt der Motor.

Samstag, 24.9.2011
Nach dem Frühstück (diesmal sogar mit Käse, obwohl wir ja keinen Kühlschrank hatten) schipperten wir durch enge Kanäle mit viel Schilf und Seerosen. Dann kam die 1. Schleuse Steinhavel nach Steinförde. Wir mußten an einem Schild halten, was etwas schwierig war.

Als das Signal grün wurde, hangelten wir uns an die rechte Schleusenwand und leinten uns an. Geschafft. Dann ging es weiter zum Röblinsee und kurz darauf zur 2. Schleuse in Fürstenberg/Havel. Die hatte es in sich. Mit Ach und Krach kamen wir rein. Gerade nochmal gut gegangen.

Weiter ging es zum Baalensee und dann gleich in den Schwedt See, wo wir anlegten. Ein Pärchen auch auf einem Floss von Tante Polly war schon da und half uns beim Anleinen. Es war recht heiss, und wir liefen nach Fürstenberg rein. Zum Netto, in eine hübsche Kirche, wo ich ein Licht für Cilli anzündete (vorgestern wäre ihr 73. Geburtstag gewesen).

Dann gingen wir ins Café und bestellten uns Milchkaffee und Kuchen (nix Besonderes). Auf der anderen Seite des Sees liegt das ehemalige KZ Ravensbrück, was jetzt Mahn- und Gedenkstätte heißt. Ich wollte unbedingt da nochmal hin, denn ich war vor ca 20 Jahren mit dem Chor mal da zum Singen gewesen.

Ein Typ von einer Yacht am Hafen sagte, er habe dort jemanden anlegen sehen, da müßte ein kleiner Anlegesteg sein. Also fuhren wir los, und es dauerte eine Weile, bis wir diesen fanden. Wir blieben mit dem Bug etwas im Sand stecken und Doug zog sich bis auf die Badehose aus, sprang ins Wasser und stieß das Boot etwas ab in Richtung Steg neben dem Schilf. Es hatte etwas Crocodile Dundee-mäßiges an sich.

Endlich konnten wir an Land gehen. Der KZ Eingang war nur ein paar Schritte entfernt. Später fuhren wir weiter zum Stolpsee, um uns eine schöne Ankerstelle auf dem See zu suchen. Auch hier übernachteten wir in der Nähe von Schilf mitten auf dem See. Es gab Texaseintopf und Sekt.

Sonntag, 25.9.2011
Am nächsten Morgen fuhren wir nicht bis HImmelpfort weiter, weil dort laut Karte wieder eine Schleuse kommen sollte. Schade eigentlich, denn Himmelpfort ist der Ort, wo der Weihnachtsmann alle Briefe der Kinder beantwortet, die an ihn schreiben.

Wir machten uns auf den langen Rückweg, denn morgen früh müssen wir das Floss zurück geben. Es hieß also jetzt, dieselben 2 Schleusen von gestern zurück zu fahren. Uns graute davor! Zuerst mussten wir wieder in die schreckliche Fürstenberg Schleuse, die per Selbstbedienung funktioniert. Der erste, der reinfährt, muss einen Knopf drücken und die Anweisungen auf einem Schild befolgen..

Etliche kleine Yachten wollten auch da rein. Es war erschreckend. Beinahe wären wir unserem Vordermann auf dessen Motor geknallt. Der panikte und sprang auf unser Floß, um Schlimmeres zu verhindern, während er fluchte: "Idioten!" Ich antwortete etwas kleinlaut:"Wir sind eben keine Profis!"

Er hatte ja Recht, man sollte wirklich einen Motorbootführerschein haben. Der Typ entpuppte sich daraufhin als sehr netter Ossi Familienvater, der uns bei der nächsten Schleuse dann half, schadlos reinzufahren. Mann, wir machten 3 Kreuze!

Am Menow See machten wir Halt und entspannten uns ein paar Stunden auf See. Zum Übernachten wählten wir uns den Ellenbogensee aus. Von da war es nur noch ein Katzensprung zurück zum Yachthafen Priepert.

Wir kochten Kartoffeln, Kidneybohnen, Tomatendose, Zwiebeln, Knoblauch rein und Wildlachsfilet aus der Dose. Dazu Rotwein. Es gab zwar schon viele Moskitos, aber ich wurde innen nachts nie gestochen.

Montag, 26.9.2011
Da wir das Floß bis 10.30 Uhr zurück bringen sollten, standen wir früh auf. Wir fuhren schon gegen 10.00 Uhr in den ziemlich engen Yachthafen Priepert ein und hatten diesmal echt Glück beim Anlegen. Ganz hinten war gottseidank noch ein Platz für unser Floß frei. Diesmal bremste Doug rechtzeitig genug, und das Floss schwebte sanft weiter bis zur Bordkante.

Das nette Pärchen war wieder zufällig neben uns und half uns beim Anleinen. Bei der ganzen Tour waren wir nochmal glimpflich davon gekommen. Ich muss sagen, dass die Flosstour aber insgesamt eher mein Ding ist als die Pferd- und Planwagen Tour, weil man das Pferd nie einfach mal so alleine lassen kann. Außerdem ist man abhängig von den Launen eines Tieres.

Allerdings sollte man mindestens eine Person an Bord haben, die sich mit Booten auskennt. Die Schleusen sind echt kein Pappenstiel. Wenn man zu viert ist, kann sich an jeder Ecke einer hinstellen und die Leinen bereit halten.und evt das Floß von der Wand wegdrücken. Anja und Andreas machten die Übergabe und gaben uns die Kaution von 250,-€ abzgl des verbrauchten Benzins und einer Gastkartusche (2,-€) zurück.

Die beiden sind echt nett und kompetent. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sie sich nicht dessen bewußt sind, wie riskant die Schleusen für Anfänger sind. Es gibt immer wieder kleinere Unfälle. Das nette Pärchen hat z.B. in einer Schleuse eine Kante vom Floß abgebrochen.

Nun denn, ahoi, ich gehe mir jetzt meine Tom Sawyer und Huckleberry Finn DVD angucken.

Liebe Grüße
von Bea und Doug

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